Andacht Gründonnerstag 2020

Andacht

zu Lukas 22 Verse 41 und 42

Jesus zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von den Jüngern zurück. Er kniete zu Boden und betete:

Vater, wenn du willst, erspare es mir, diesen bitteren Kelch zu trinken! Doch nicht mein Wille soll geschehen, sondern der deine.

Lukas 22, 41 -42

Ihr Lieben,

  • 1997 und 2012 waren Viele aus der Ev.Gemeinde Melk-Scheibbs in diesem Garten. „Hortus Gethsemane“ – so steht am Eingang. Hortus (lat)= der Garten. Gethsemane (hebr.)= Ölpresse

  • Gethsemane – ein Lieblingsplatz von Jesus. Oft war ER dort zum Gebet.

  • Gethsemane – für Jesus eine Tür zum Himmel.

Doch jetzt – am Gründonnerstag – wird dieses Tor zum Himmel für Jesus die Tür zur Hölle. Hier, wo ER so gerne das Angesicht seines Vaters im Himmel suchte, schaut er jetzt in die Fratze der Hölle. ER weiß, was seine Jünger in diesem Augenblick noch nicht wissen: Es ist soweit! Der Verräter, brutale Soldaten, Kaiphas, Pilatus, Verhöre, Gerichte, Folter und Demütigungen erwarten ihn.

  1. Schuldannahme
    Bereits hier in diesem Garten beginnt die große „Abrechnung“. Gibt es Zusammenhänge zwischen Corona und Sünde? Manche Theologen bestreiten das. Ich bin überzeugt davon: Corona ist nur einer von hunderttausend Belegen dafür, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Seit 1. Mose 3 geht durch das gesamte Universum ein unsichtbarer Riss. Ein globaler Schaden, der für alles verantwortlich ist, was in dieser Welt nicht mehr passt. Und den nur EINER zu heilen imstande ist. Nur EINER übernimmt die Megatonnen Altlasten, die deine und meine Sünden und die Sünde der ganzen Welt wiegen. Nur EINER traut sich da dran! Nur EINER hat gesagt: Siehe, ICH mache ALLES neu! Im Garten Gethsemane beginnt’s! Für diesen juristischen Akt der Schuldenübernahme braucht Gott Zeugen. Zeugen, die davon später der Nachwelt berichten. Darum nimmt Jesus seine Jünger mit. Doch sie verstehen nichts! Ihnen fällt nur auf, dass Jesus so schwach, so niedergedrückt ist. Tränen und Blutschweiß laufen über sein Gesicht. Und dieser e i n e Satz ist in ihrem Gedächtnis haften geblieben: Vater, wenn irgendmöglich, erspare mir diesen bitteren Kelch! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

    Jesus als Brotkönig, als Wunderheiler, als erhabener König – das taugte ihnen. Doch jetzt waren sie mit ihrem Latein am Ende! Jesus in einer Depression? Verzweifelt? Zusammengebrochen? Der Helfer braucht auf einmal selber Hilfe? Gibt’s das? Sie ahnen nicht: Jesus steht vor der Tür zur Hölle. Aber wozu das alles?

  2. Damit wir in den Himmel kommen!

    Ich glaube, wären wir dabei gewesen, es wäre uns genauso ergangen! Der Schöpfer und Vollender des Universums zittert, weint und schreit um Hilfe. Erst nach Ostern werden die Jünger begreifen, warum der Allergrößte in dieser Nacht so schwach wurde. Nach Ostern verstehen sie: Jesus ging in die Hölle, damit wir in den Himmel kommen. Damit der Grundschaden des ganzen Universums beseitigt wird!

    Der Grund seines Zitterns und Zagens liegt daher noch tiefer: Es war nicht nur die Furcht vor dem schrecklichen Todestal. Es war mehr! Und zwar:

  3. Für uns zur Sünde gemacht!

    Jesus wehrt sich dagegen, d a s zu trinken, was ihm da in diesem Kelch gereicht wird. Gott mutet seinem Sohn zu, ALLE Schuld auf Erden sich selbst einzuverleiben! Er tut nicht nur so, als ob! Manchmal sagen wir recht unbekümmert: Jesus starb für mich! Doch es ist ein großer Unterschied, ob jemand Schmerzen simuliert – nur so tut, als ob. O d e r ob er wahrhaftig-leibhaftig Schmerzen erleidet. Jesus zittert vor der konkreten Übernahme der Schuld. Weil er sich vor der Wirkung dieser Schuldübernahme fürchtet. Alles sträubt sich in ihm dagegen. Nur darum diese inständige Bitte: Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen!

    Das heißt doch: Vater, wenn’s möglich ist, dann erspare mir bitte die Übernahme dieser universalen Schuld! Halte mich da heraus!

    Mit dem Kelch der Sünde der ganzen Welt erhält Jesus nicht ein paar Schlückchen eines berauschenden Getränkes, den die Sünde anfangs ja immer liefert. Denn was folgt, kennen wir alle: Katerstimmung, Ernüchterung, Schuld, schlechtes Gewissen, Gericht.

    Ihr Lieben,

    was wir im Rausch der Sünde „genießen“, soll ER in voller Nüchternheit büßen. Jesu Sterben ist kein „Heimgehen“, sondern ein Verlorengehen, keine Himmel- sondern eine Höllenfahrt! Jesus geht für Menschen in die Hölle, die selber nicht einmal wahrhaben wollen, dass es eine Hölle überhaupt gibt! Jesus zahlt die Rechnung für Menschen, die alles Gerede von Sünde, Tod und Teufel für mittelalterlich und überholt halten. Jesus begleicht unsere Rechnung, von der wir meinen, sie gehe uns nichts an.

  4. Mein Vater, ist’s möglich…… Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

    Merken wir, wie s e h r Jesus ringt mit Gott? Wie sich Jesus mit der Warumfrage quält? Warum gerade ich?? Die allerletzten und quälenden Lebensfragen – auch die Warumfrage – bleiben auch Jesus nicht erspart! Jesus sagt nicht unterwürfig: Herr, dein Wille geschehe! Es passt eh alles…! Oh nein! „Vater, wenn’s möglich ist….“

    Aber: Es ist nicht möglich! Der Kelch muss getrunken werden! Die offene Rechnung muss beglichen werden. Der Vater gibt sich selbst im Sohn dahin! Humanistisch geprägte Menschen stellen hier so gerne die bekannte Frage: Wie kann ein Gott der Liebe zulassen, daß sein Sohn…..! Antwort: Der Vater im Sohn. Das heißt: Der Vater fügt sich selbst den größten Schmerz zu.

    Jesus geht an dieser Stelle ein unheimliches Wagnis ein. Ein Wagnis, dessen Ausgang noch völlig offen ist! Liegt der Grund für sein Zögern am Ende darin, dass sein stellvertretendes Verlorengehen nicht automatisch alle Welt rettet? Jesus weiß doch, dass es nötig ist, dieses einzigartige Geschenk der ewigen Errettung auch persönlich anzunehmen. Ja – dieses Geschenk extra abzuholen. Jesus weiß aber auch das Andere, dass es das größte Opfer wert ist, selbst wenn nur Einer gerettet wird. Denn es wird Freude sein im Himmel über einen Menschen, der umkehrt und dieses Geschenk der Erlösung abholt.

    Und so investiert der Vater wirklich alles! Seinen Sohn. Seinen einzigen! Und damit in Wahrheit sich selbst!

    Er fragt nicht nach Erfolg. Er fragt nicht danach, wie und wie viele Menschen darauf reagieren. Er tut es einfach. ER erschlägt seinen Sohn für uns. Und ER wird es nie bereuen, dass ER seinem Sohn diese Bitte – ihm den Kelch zu ersparen – ausgeschlagen hat. ER tut sich lieber selber weh, bevor ER zulässt, dass ein Mensch in seiner Verlorenheit ohne Chance bleibt. Denn Gottes unerbittliche Gerechtigkeit fordert Strafe für alle Übertretungen. Doch Seine Liebe verletzt sich lieber selbst, als dass sie einen Menschen tödlich verletzt. Nur darum erspart ER dem Sohn und sich selbst den Weg in die Hölle nicht.

    Gott sei Dank HAT Jesus den Todeskelch getrunken, damit wir aus dem Kelch des Lebens trinken dürfen. Der Kelch der Sünde ist leer. Der Kelch des Heils ist randvoll. Was für ein Wunder! Darum Gründonnerstag: Einsetzungsfeier des Heiligen Abendmahls. Feiern wir es heuer doch einfach mal daheim: Alleine, zu zweit, zu dritt…..

    A m e n

Günter Battenberg
Pfarrer i.R., Pro-Christ-Kreis Pöchlarn | 0043 699 188 77 826 | günter.battenberg@evang-melk-scheibbs.at

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